Frauen · Rokoko · Schnittmuster

Bescheidenheit ist eine Zier: Caraco für eine Zofe

Lange schon war es mir ein Anliegen, für die Zofen-Schlossführung ein noch etwas bescheideneres Kleidungsstück als meine geliebte braune Anglaise zu nähen. Die Idee war, ein kleinbürgerliches Kleidungsstück umzusetzen, also aus „billigem“ Stoff usw, aber eben gleichzeitig so „modisch“ wie möglich, also mit Details und Dekorationen, wie sie sich eine modebewusste Zofe vielleicht leisten kann, gleichzeitig sollte das Kleidungsstück aber waschbar und zum Arbeiten geeignet sein. Ein Caraco aus einem angemessen bescheidenen Stöffchen also: So einen Stoff finde man aber mal…!

In Gotha bin ich dieses Jahr aber tatsächlich fündig geworden und habe zwei Meter von einem schmalen blau-gestreiften Leinen erstanden – zum Glück, denn da der Stoff nur so etwa 115 cm breit lag, hätte es mit weniger Stoff ein langes Gesicht gegeben.

Der Schnitt ist eine Variante/Weiterentwicklung von meinem „Chocolatière“-Jäckchen. Ich habe ihn enger gemacht (grins), so zugeschnitten, dass man es vorne knöpfen kann und die Saumlinie verändert – statt unten durchgegehend gibt es jetzt eine eckige Front und cutaway-Seiten. Außérdem habe ich einen neuen Ärmel gemacht, der in Richtung 1780 geht, also etwas enger und deutlich über den Ellenbogen, daher der runde Abnäher.

Ansonsten war es der Plan, das Jäckchen über einem Pokissen der Sorte „gespaltener Arsch“ zu tragen, allerdings in klein:

(Was man halt so klein nennt…)

Genäht wurde alles von Hand mit Leinenzwirn und Seidengarn (ich war krank und hatte Langeweile…). Gefüttert wurde das ganze mal wieder mit einem alten Bettuch, sowie Rosshaar unter den Schösschen und der Knopfleiste (auf der Knopflochseite).

Das Rosshaar habe ich kleiner, also ohne Nahzugabe zugeschnitten und mit kleinen Stichen an der Naht befestigt.

Links im Bild: Long John Silver, einer meinen beiden neuen Nähhelfer!

Natürlich habe ich einen Weg gefunden, etwas mit den Ärmel falsch zu machen: Zum Beispiel kann man auch zwei rechte Ärmel nähen, und es nicht merken.

 

 

Das sieht dann lustig aus…

Nach Beseitigung dieses Unfalls habe ich den Ärmel noch Abschlüsse im Sabot-Stil verpasst, mit wundervollem Leinensoutache:

Am Schluss habe ich noch Knöpfe mit Stoff bezogen und bestickt. Das Rohmaterial waren Plastik-Spielchips für das gute alte Flohspiel, 15mm Durchmesser. Die sind waschbar und kosten fast nichts. Außerdem habe ich noch einen 7mm Kabelbinder als Verstärkung hinter die Knopfleiste versenkt. Die befindet sich rechts, wie es um 1780 bei allen Kleidern, egal ob Männlein oder Weiblein, üblich war.

Voilà:

Auf dem ersten Bild ist eine kleine Katze versteckt! (Mein zweiter Nähhelfer, Captain Flint)

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