Frauen · Rokoko · Schnittmuster

Bescheidenheit ist eine Zier: Caraco für eine Zofe

Lange schon war es mir ein Anliegen, für die Zofen-Schlossführung ein noch etwas bescheideneres Kleidungsstück als meine geliebte braune Anglaise zu nähen. Die Idee war, ein kleinbürgerliches Kleidungsstück umzusetzen, also aus „billigem“ Stoff usw, aber eben gleichzeitig so „modisch“ wie möglich, also mit Details und Dekorationen, wie sie sich eine modebewusste Zofe vielleicht leisten kann, gleichzeitig sollte das Kleidungsstück aber waschbar und zum Arbeiten geeignet sein. Ein Caraco aus einem angemessen bescheidenen Stöffchen also: So einen Stoff finde man aber mal…!

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Frauen · Quilt · Rokoko · Schnittmuster

Dirty piece of work

Erfahrungsbericht über die Herstellung eines gesteppten Rokoko-Rockes…

Wie alle, die vom Rokoko begeistert sind, wollte ich auch unbedingt so einen gequilteten Unterrock haben:sc45581

 

 

 

 

 

 

 

 

Nun ist natürlich der Rock von meinem Schoko-Girl Outfit gequiltet, aber das ist ja nur eine alte Bettdecke, umgearbeitet und -lackiert, sozusagen. Das entspricht zwar auch irgendwie der Tradition, es bleibt aber der Fakt, dass diese Decke maschinengequiltet war (oh Schreck!!!)

Also habe ich mich mal darangesetzt, mir ein handgequiltetes Exemplar zu bauen.  Vorneweg: Ich habe damit vor 2 1/2 Jahren angefangen, da gab es dieses Blog noch gar nicht. Aber ich hatte in den letzten Jahren auch noch ein paar andere Projekte, ganz zu schweigen von lästigen, kreativitätbehindernden Aktivitäten wie Arbeit ;-).

Daher kann ich leider keine Entwürfe einstellen, genausowenig existiert ein Bild von dem Stoff mit Vorzeichnung.

Diesen Winter habe ich das Projekt wieder hervorgeholt – immerhin waren 2/3 fertig – und habe über die Weihnachsttage das Quilten abgeschlossen.

Zur Technik: Ich habe ganz dünnes Kunststoffvlies verwendet, keine Wolle, da ich das unnötig schwer und mottengefärdet fand. Die Rückseite des Qulits besteht auch einem dünnen Baumwollstoff, die Vorderseite aus Seidensatin. Ich habe das geniale „fil au chinois Patchwork“ Handquiltgarn von Sajou verwendet, einen mit Baumwolle umsponnen Polyesterfaden. Dieses Garn ist in Deutschland nicht immer leicht zu kriegen, aber es vearbeitet sich traumhaft. Die Nadeln, die ich benutzt habe, waren Gold Eye Quilting betweens von Clover (No.10).

Ich habe die Entwürfe freihandgezeichnet, bis auf die Karos, für die habe ich ein Lineal benutzt. Bei den Mustern habe ich mich von existierenden Unterröcken inspirieren lassen, konnte aber wie üblich nicht der Versuchung wiederstehen, auch ein paar Detils nach meinem Gusto hinzuzufügen. Da ich Freihand mit groben Schablonen vorgezeichnet habe, ist natürlich nix genau gerade oder symetrisch – sonst wäre das ja nicht von mir …

Hier sind auf jeden Fall ein paar Fotos von dem fertigen Quilt, noch ungewaschen (man sieht dunkle Flecken, wo der Bleistift besonders dick war), noch nicht zurückgeschnitten und pottendreckig.

davvorne: Blumenkorb

 

 

 

 

 

 

davhinten: Artischoke in Vase

 

 

 

 

 

 

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Dazwischen: Blätterspiralen… ich liebe Spiralmuster….

 

 

 

 

 

Insgesamt: 3,30 m x 1m Quilt:

(man beachte die schwarzen Bleistiftkrakel ;-))

dav

Und so sah das Waschwasser aus: Nach zwei Stunden schrubben hatte ich glücklich alle Tee- und Fettflecken, Bleistiftreste, den Staub, die Katzenhaare und Blut, Schweiß und Tränen von 2 1/2 Jahren ausgewaschen!

dav

so sieht der Rock von vorne aus:

So von hinten:
und so in angezogen:

(ok, ich hätte einen Weiberspeck drunter tun sollen…)

und hier betätigen wir uns als Zofen im Schloss:

 

 

 

 

 

 

 

 

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J.P. Ryan · Rokoko · Schnittmuster

Vom Wesen der Francaisen

Wie versprochen, hier einige Kommentare zur Robe à la Française und ihrer Herstellung, insbesondere der Falten hinten und vorne.

Ich habe deren zwei im letzten Jahr verbrochen, eine für eine Freundin und eine für mich – beide frei nach Madame de Pompadour. Ich wollte schon lange dieses Kleid:

mmepompadour

Die andere Francaise lehnt sich ebenfalls an Madame de Pompadour an, allerdings in ihrer Inkarnation als „Reinette“ in der Doctor Who-Folge „The Girl in the Fireplace“: madame_doctor3

 

 

 

 

 

Hier soll es jetzt aber im Wesentlichen darum gehen, wie man die Watteau-Falte und die Robings macht. Der Schnitt, den ich benutzt habe, ist der von J.P.Ryan (Robe ala Francaise, 1750).

Es ist unheimlich wichtig, bei den Falten die Abstände genau einzuhalten und dafür zu sorgen, das an der oberen Kante des Vorder- bzw. Rückenteils exakt aufeinanderliegen – sonst sitzen die Falten hinterher nicht. Außerdem ist es ZWINGEND notwendig, nach jedem Faltschritt die Falten zu bügeln. Es geht nicht ohne. Been there, done that, failed 😉

 

Zunächst die Robings vorne:

Beim Zuschneiden sollte man beachten:

Die Nahtzugabe an der langen, geraden Vorderkante sollte versäubert sein – oder man legt das Schnitteil gleich an der Webkante an, was ich empfehlen würde. Diese Nahtzugabe baumelt nämlich unvernäht im Inneren der Robing-Falte…

20160805_091527

20160805_094630Hier sieht man den Abnäher, der später natürlich verschwindet. Wie im Schnitt angegeben, muss man den zuerst machen.

 

 

 

 

Dann legt man d20160805_095422en Stoff auf die rechte Seite und faltet den einmal nach innen, so dass jetzt auf der linken Seite ein Stück rechte Seite zu sehen ist. Die Nahtzugabe faltet m20160805_095242an dabei nochmal nach innen, so dass sie nicht mehr zu sehen ist.

 

 

 

 

Jetzt faltet man diesen umgeklappten Teil noch einmal, und zwar so, dass eine Art doppelte Falte ensteht. Man faltet dabei den Teil, den man vorher schon einmal gefaltet hat noch einmal nach innen, quasi spiralförmig: 20160805_095800Dieses Bild zeigt, in welcher Schichtung die Falten übereinander liegen müssen:20160805_095718Wenn man alles richtig gemacht hat, liegen am Ende die Wellenlinien oben am Vorderteil alle übereinander und bilden eine gerade Linie. Der Abnäher steht etwas über, das muss so.

20160805_09560820160805_095601

 

Und nun zur Watteau-Falte:

20160726_153124Damit der Kopf nicht zu sehr raucht, habe ich erstmal alle Markierungen auf der Vorderseite des Schnittes auf die Rückseite übertragen, das hilft ganz enorm.

Der Stand wäre jetzt also: Die Rückennaht ist fertig und ausgebügelt. Die rechte Seite des Stoffes liegt unten, die linke guckt uns an.

 

 

Jetzt kommt die erste Falte, die wird genau entlang der Markierungen nach außen gefaltet, auf das Ärmelloch zu: 20160726_153633

 

 

 

 

 

 

Genauso die zweite Falte:

20160726_153807Es hilft, den Schnittmusterbogen wirklich daneben zu legen und sich nach den Pfeilen zu richten. Auf der anderen Seite benutzt man die Rückseite des Schnittmusterbogens, auf den ja die Markierungen übertragen wurden.

Wenn man diese Falten festgesteckt hat, näht man sie fest wie im Schnitt angegeben. Für diese innersten Falten kann man auch die Maschine benutzten, die sieht man von außen nicht!

 

 

 

Als nächstes nimmt man sich nun Falte 3 und 4 vor, diese werden zur mittleren Rückennaht gefaltet und ebenfalls festgenäht:

20160726_155112Dabei empfiehlt es sich. mit Nadeln genau zu markieren, von wo bis wo eine Falte gehen soll.

Hier ist Handarbeit gefragt, denn diese Nähte sieht man auf dem Rücken!

 

 

 

 

Zum Schluss faltet man die Falten 5 und 6 über die anderen. Leider sind mir die Bilder abhanden gekommen, aber wenn man, wie gehabt, den Schnittmusterbogen neben sich liegen hat und sich an die Pfeile hält, geht nun auch nichts mehr schief. Auch diese Nähte sind sichtbar und sollten per Hand genäht werden. Zum Schluss sei noch gesagt, dass bei einem dünnen Stoff, wie dem blauen Seidentaft hier, für das back-neck-piece Vlieseline verwendet werden sollte, denn das kleine Stückchen hält alles zusammen.

 

20160726_153010

Und weil es so schön ist: nochmal eine Rückenansicht von „Reinette“, das fertige Kleid in blau und das Innenfutter mit den zwangsjackenartigen Schnürbändern:

 

20160726_124717

20160728_142633img_20161126_215108

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Barock · Fest · Gotha · Rokoko

Barockfest Gotha 2015

Porcupina und Heraldia Nocturna strecken ihre Fühler aus.

Hier im Nordwesten sieht es ja noch etwas …ausbaufähig mit Veranstaltungen zum Thema Barock und Rokoko aus. Aber Kleider wollen getragen werden und so haben sich Porcupina und Heraldia Nocturna entschieden ihre Roben beim Barockfest in Gotha auszuführen.

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Barock · J.P. Ryan · Männer · Rokoko · Schnittmuster

Magnificent Pants

Projekt: Rokoko-Kniebundhosen für Männer (um 1760)

Prolog:

Ich möchte Euch hier zeigen, wie ich für Marmotta historisch korrekte Kniebundhosen produziert habe. Die Beschreibung ist keine komplette Anleitung – die gibt es im Schnitt, der allerdings auf Englisch ist. Rückfragen dazu beantworte ich gegebenenfalls! Es geht eher darum zu dokumentieren, was ich wann wie warum gemacht habe, und ein paar Tipps zu geben. Diese richten sich auch an absolute Anfänger, daher nicht über Selbstverständliches wundern!

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Information

Hello World!

Hier entsteht das Blog „Nadel Verpflichtet“

Wir freuen uns darauf euch an dieser Stelle bald unsere Projekte vorzustellen. Unser Blog wird sich vor allem mit historischer Mode aus der Zeit der Renaissance bis zum Rokoko beschäftigen. Je nach Laune werden wir gelegentlich auch Beiträge zu unseren „zivilen“ Nähprojekten, Materialien und diversen anderen Themen schreiben.